Unsere Josy
Die Josy, trotz ihrer elf Jahre immer noch rank und schlank, sie hat sich gut gehalten. Ich kann mich noch gut daran erinnern,
wie ich sie zusammen mit Toby aus dem Tierheim geholt habe. Was hat sie mich angefaucht und gespuckt, eine kleine Furie,
aber das hat sich ja dann nach ein paar Wochen gegeben. Dann war sie, wie meine Freundin so treffend gesagt hat, das Mamakind.
Gleich in der ersten Woche in der ich sie hatte, habe ich sie nach ein paar Tagen verzweifelt gesucht, sie war spurlos verschwunden.
Die ganze Wohnung habe ich nach ihr abgesucht, überall nachgesehen, in der Waschmaschine, in den Schränken, in den Regalen,
unter dem Bett, unter den Sofas, im Küchenschrank, in dem Unterschrank der Spüle, im Kleiderschrank, jedes kleine Fleckchen
habe ich abgesucht, sie war vom Erdboden verschluckt.
Dann fiel mein Blick auf die Wandverkleidung in der Küche, Nut und Feder.
Zwischen Wand und Holz waren ungefähr sechs Zentimeter Luft. Und natürlich war noch keine Abschlußleiste angebracht worden,
das kann man ja immer noch machen. Das "immer noch machen " war inzwischen schon ein paar Jahre her, hat ja auch keinen
gestört. Jetzt, nachdem ich ja wirklich alles abgesucht hatte, auch an den unmöglichsten Stellen, war ich der festen Überzeugung,
Josy ist zwischen Wand und Verkleidung gekrochen und steckt fest. Wo sollte sie sonst sein. Natürlich hatte ich versucht mit
Hilfe einer Taschenlampe etwas zu sehen, aber die Lampe war keine große Hilfe. Mein nächster Gedanke war natürlich, die
Verkleidung muß ab.
Also ich die
Stichsäge ausgepackt und ein Teil des Holzes rausgeschnitten, damit ich besser leuchten konnte. Aber sehen konnte ich
trotzdem nicht bis zum Ende der Wand. Ich setzte mich also erst mal auf den Boden und drehte mir eine Zigarette. Ich hätte
an diesem Abend noch angefangen die Holzverkleidung ab zu montieren, es war zwar mittlerweile schon nach 22.00 Uhr,
aber das wäre mir egal gewesen, da hätte sich mal einer beschweren sollen, da wäre ich gerade in der richtigen Stimmung
gewesen!!!
Während ich so da saß und rauchte hörte ich auf einmal ein Geräusch rechts von mir, aus Richtung Spüle
kommend. Ich noch mal hin, hinter der Spüle nachgesehen, im Unterschrank, keine Josy zu sehen. Ich setzte mich wieder
hin, hörte wieder das Geräusch aus Richtung Spüle. Ich dachte ich spinne, also noch mal dasselbe Spiel: Im Unterschrank,
hinter der Spüle nach gesehen, keine Josy! Aber irgendwo mußte das Geräusch ja her kommen. Ich rückte die Spüle so weit
von der Wand ab wie möglich hob die Spüle ein bißchen hoch, und da saß sie und blinzelte mich an.
Der Unterschrank der
Spüle saß auf einem Holzrahmen mit Verkleidung, zwischen dem Boden des Unterschrankes und dem Küchenboden war ein
Hohlraum von etwa zwanzig Zentimetern, und da saß sie drin. Ich konnte es nicht glauben, wie war sie den da bloß rein gekommen?
Die Verkleidung war doch überall zu. Denkste ! Ich fühlte jetzt mit der Hand die Verkleidung ab, dort wo die Spüle ziemlich nahe an
der Wand stand, und was soll ich sagen, da war ein Loch in der Verkleidung, wahrscheinlich war da mal ein Rohr durch gegangen.
Das hatte man nicht sehen können. Aber Josy hatte es natürlich gefunden! Die Demontierung der Holzwand fiel dann Gott sei
Dank aus und Josy bekam erst mal was zum Futtern.
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Die Katzenklappe, das war auch so eine Sache.
Mittlerweile wohnten wir schon in Nidda und Josy benutzte das Toilettenfenster
als ihre persöhnliche Katzentür. Das hieß, das Fenster mußte immer geöffnet sein. Irgendwann waren wir es leid, ihr immer das
Toilettenfenster auf zu lassen, damit sie raus und rein konnte wie ihr gerade der Sinn danach stand. Im Sommer natürlich kein
Problem, da steht bei uns eh immer alles auf, im Frühjahr oder Herbst auch kein Thema, solange die Temperaturen nicht in den
Keller gehen. Aber im Winter, wenn es wirklich kalt wird, ist es nicht gerade angenehm in eine eiskalte Toilette zu kommen,
weil wegen der Madame das Fenster auf stehen muß. Auch wenn es nicht sperrangelweit auf steht und nur angelehnt ist, es
sind keine angenehme Temperaturen. Also eine Katzenklappe muß her.
Gesagt getan, eine Katzenklappe wird gekauft und
auch gleich fachmännisch eingebaut. Während der ganzen Zeit, in der mein Freund Michael mit dem Einbauen beschäftigt ist,
wuselt unsere Josy neugierig um ihn herum, schaut aufmerksam beim Arbeiten zu oder spielt zwischendurch ein bißchen
mit der Verpackung oder mit dem Schraubenzieher. Als die Klappe dann endlich funktionstüchtig eingebaut ist, verliert sie
innerhalb von Sekunden das Interesse an der ganzen Sache. Spaziert zur Toilette und verlangt heraus gelassen zu werden.
"Mach doch mal einer das Fenster auf, bitte !" "Nein, das Fenster bleibt zu!" belehren wir sie, "Du hast jetzt Deine eigene Tür,
du kannst raus und rein wann immer du willst." und setzen sie vor die Klappe. Wir lassen die Klappe vor und zurück schwingen
um ihr zu zeigen worum es geht. Josy schaut zu, denkt sich wahrscheinlich: "Ich konnte schon immer raus und rein wie ich wollte,
und jetzt kommt dieser Depp und baut da so ein gefährliches Ding in die Tür!", und geht zurück an ihr Toilettenfenster.
So
funktioniert das also nicht. Jetzt setze ich mich mit einem Leckerli raus auf die Terrasse, Josy wird von Michael wieder vor die
Katzenklappe gesetzt, er hält ihr die Klappe auf und ich versuche sie zu locken, halte ihr das Leckerchen vor die Nase. Obwohl
Michael die Klappe aufhält und sie eigentlich nur durch die Öffnung müßte, wo doch auf der anderen Seite das Leckerli wartet,
bleibt sie stur. Sie schaut zwar durch die Öffnung, sieht das Leckerli, aber, "Ich geh doch nicht einfach durch so ein Loch in
der Tür, vielleicht haut mir diese komische Klappe den Schwanz weg ! Wofür habe ich den mein Toilettenfenster !!!" Wir versuchen
es mit allem möglichen, aber Josy sitzt am Toilettenfenster und jammert, : "Ich will raus!"
Wir geben auf und denken, irgendwann wird sie es schon kapieren, öffnen das Toilettenfenster, ratz fatz ist sie verschwunden, mit
hoch erhobenem Schwanz, so ungefähr : "Na also, es geht doch ! Was war denn das jetzt für ein Zirkus!!"
Nachts, wir liegen schon im Tiefschlaf, Josy ist inzwischen auch wieder heim gekommen, natürlich durchs Fenster, werde ich
durch Gepolter in der Küche wach, erst denke ich, da ist jemand an der Küchentür, aber so laut werden Einbrecher wohl nicht
sein. Wieder polterts, irgendwie hört es sich auch an, als wenn es an der Tür kratzen würde, also stehe ich auf und gehe in die
Küche. Da unsere Madame ihre neue Katzentür ja nicht benutzen wollte, haben wir die Holzläden an der Küchentür geschlossen,
eben in der Annahme, sie geht ja da eh nicht durch. Jetzt mache ich das Licht an und sehe Josy, wie sie mich von der anderen
Seite des Fensters das in der Tür ist ansieht, wir stehen uns sozusagen Auge in Auge gegenüber.
Sie hat es also doch probiert,
ist durch die Katzenklappe, konnte aber nicht weiter, weil ja die Läden geschlossen waren, hat sich dann irgendwie an der Tür
und den Läden hochgeangelt und steht jetzt mit zwei Beinen an den Läden und mit zwei Beinen am Fensterrahmen abgestützt da.
Ich öffne das Fenster und erlöse sie, wobei ich mir meinen Lachanfall verkneife, das war ein Bild für die Götter. Natürlich ist sie in
den nächsten Tagen nicht mal in die Nähe der Katzenklappe, aber irgendwann hat es dann doch geklappt. (im wahrsten Sinne
des Wortes)
Ach was ist das jetzt so schön, Josy konnte von da ab rein und raus wie sie wollte und wir hatten keine eiskalte Toilette mehr.
Nicht so schön ist, was sie uns jetzt alles in die Wohnung schleppt, vor allem, wenn wir nicht da sind. Meistens natürlich Mäuse,
manchen schenkt sie großzügig die Freiheit und läßt sie laufen, wenn sie genug von ihnen hat. Einige sind auch schnell genug,
um sich unter dem Küchenschrank, Herd, Kühlschrank oder der Waschmaschine in Sicherheit zu bringen. Was wir natürlich nicht
mit bekommen, wenn wir nicht zu Hause sind. Öfters wie einmal ist es vorgekommen, daß abends eine Maus quer durchs Zimmer
flitzt, wenn wir im Wohnzimmer sitzen. Dann ist Mäusejagd angesagt. Wir jagen, Josy schaut zu. Meistens können wir sie fangen
und sie wieder in den Garten setzen, ein oder zwei mal bin ich auch schon mal gebissen worden, als kleines Dankeschön sozusagen.
Eine Eidechse hat auch schon mal ein paar Tage bei uns gelebt, ohne daß wir davon eine Ahnung hatten. Die eine Nachbarin hatte
sie zwar an der Wand im Flur gesehen, als sie Blue zum Spazieren gehen abholte, uns aber nichts davon gesagt. Wahrscheinlich
hält sie uns für durchgeknallt genug, freilaufende Eidechsen in der Wohnung zu haben. Erst als ich ihr davon erzählte, sagte sie :
"Ja, die habe ich im Flur an der Wand gesehen."
Entdeckt habe ich die Eidechse, als ich im Bad meinen grünen Pullover anziehen wollte, da lag sie nämlich drauf, gut getarnt, gleiche
Farbe wie der Pullover. Ich hatte sie nicht gesehen, erst als ich den Pulli hoch hob fiel sie runter auf den Boden, fangen konnte ich
sie ziemlich schnell, aber dann habe ich sie nicht mehr losbekommen, weil sie sich meinen Mittelfinger geschnappt hatte und nicht
mehr los ließ. Also ging ich mich mit ihr raus ins Grüne, setzte sie auf den Boden, setzte mich dazu und wartete, jedesmal, wenn
ich mich nur ein kleines bißchen bewegte, packte sie wieder fester zu. Aber irgendwann ließ sie mich dann doch los und verschwand,
nicht ohne mich vorher angefaucht zu haben. Ich schwör's, sie hat mich tatsächlich angefaucht, ganz schön mutig, bei dem Größenunterschied.
Und wer hat die wohl ins Haus geschleppt, da sind wir uns einig, kann nur Josy gewesen sein! So eine Katzenklappe hat auch halt ihre Nachteile.